Sie ist eine der renommiertesten Auszeichnungen in der deutschen Film- und Fernsehbranche. Glamourös und glanzvoll, mit Stars aus Hollywood und nationalen wie internationalen Musikgrößen, mit Ehrgefühl für den deutschen Film und jenen, die ihn mit ihrer Schauspielkunst zu einem Erlebnis machen. Und sie ist längst noch mehr: Sie zeigt Haltung, übt Gesellschaftskritik aus, richtet die Scheinwerfer auch auf weltpolitische, ja ernste und nachdenkliche Themen – die GOLDENE KAMERA, eine Veranstaltung der FUNKE MEDIENGRUPPE. Am 30. März 2019 wird sie zum 54. Mal verliehen. Das ZDF überträgt die Verleihung ab 20:15 Uhr live vom Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof in Berlin. Insgesamt 14 Goldene Kameras werden in diesem Jahr verliehen. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden von der Jury, der Redaktion der GOLDENEN KAMERA sowie den Zuschauerinnen und Zuschauern der Verleihung bestimmt. Christian Hellmann, Chefredakteur der FUNKE Programmzeitschriften und zugleich Vorsitzender der GOLDENEN KAMERA-Jury sowie Christiane Flatken, stellvertretende Chefredakteurin der FUNKE Programmzeitschriften und ebenfalls Mitglied der Jury, berichten vorab über die Juryarbeit und die in diesem Jahr ganz besonders beliebte Publikumswahl.

Christian Hellmann, Chefredakteur der FUNKE Programmzeitschriften und Vorsitzender der GOLDENEN KAMERA-Jury. Foto: FMG

Herr Hellmann, die Jurymitglieder haben 30 Filme und Serien, sprich über 4.500 Minuten Material, gesichtet und ihre Entscheidungen für die von ihr zu bestimmenden fünf Kategorien getroffen. Nach welchen Kriterien wurden die Jury-Mitglieder ausgewählt?

Mit der prominenten Jury-Besetzung versuchen wir ein breites Spektrum an Film- und Fernsehpersönlichkeiten einzubinden. Das sind neben renommierten Schauspielerinnen und Schauspielern wie aktuell Nadja Uhl und Richy Müller, auch Filmschaffende, die nicht so sehr in der Öffentlichkeit stehen, wie Produzenten oder Regisseure. In diesem Jahr konnten wir mit Gabriela Sperl eine der profiliertesten Produzentinnen in Deutschland für die Juryarbeit gewinnen. Mit Rudi Cerne ist jemand dabei, dessen Arbeit eher Berichterstattung und Information ausmachen, und der allein daraus einen anderen Blick auf fiktionale Stoffe hat. Mit einem Comedian wie Max Giermann kommt das geschulte Auge desjenigen dazu, der für seine Stoffe Menschen sehr genau beobachten muss und daraus Geschichten entwickelt, und der seine ganz eigene Sensibilität mitbringt. Schließlich haben wir mit Robert Hofmann einen YouTube-Filmkritiker, dessen Heimat das Kino ist und der von dieser Seite interessante Impulse beiträgt.

Wie viele Jurysitzungen gab es und wie genau war der Ablauf der Sitzungen?

Die Jury trifft sich zweimal. Wenn es in der ersten Runde noch darum geht, sich kennenzulernen, die Kriterien und Vorlieben abzugleichen und schon in erste Diskussionen zu den Produktionen einzusteigen, wird es in der zweiten Runde ernst: Dann gilt es, sich mit allen Beteiligten auf drei Favoriten für jede Kategorie festzulegen. Da wird mitunter leidenschaftlich gerungen. Stehen die Nominierten, werden dann in geheimer Wahl die Sieger bestimmt.

Insgesamt besteht die Jury aus elf Köpfen. Elf Köpfe, elf Meinungen?

Ja, die Meinungen können vielschichtig sein. Bei elf Mitgliedern können sich innerhalb einer Diskussion auch Lager bilden, dann gilt es, einen Konsens zu finden. Oder es kommt vor, dass ein Film oder eine Schauspielleistung im ersten Moment für gut befunden wurden, in der Gesamtschau aber wieder an Gewicht verlieren. Und dann gibt es die Stoffe oder Einzelleistungen, die von Anfang an die Herzen der Jurymitglieder gewinnen und über die sich im Prinzip alle einig sind.

Neu ist, dass die ersten zwei Monate 2019 mitbewertet werden? Wie kam es dazu?

Da die GOLDENE KAMERA 2019 am 30. März stattfinden wird, also vergleichsweise spät im Jahr, wäre es auch für den Zuschauer komisch, wenn herausragende Produktionen vom Anfang des Jahres nicht berücksichtigt würden.

Die Jury entscheidet über die Kategorien „Beste Schauspielerin“, „Bester Schauspieler“, „Bester Fernsehfilm“, „Beste Serie“ sowie „GOLDENE KAMERA Nachwuchspreis“. Gerade letztere Kategorie ist eine sehr bedeutende Kategorie in der Geschichte der GOLDENEN KAMERA, richtig?

Die Wahl des Nachwuchspreises ist etwas ganz Besonderes: Hier einem jungen Talent, das am Anfang seiner Karriere steht, einen so herausragenden Moment in seinem Leben bescheren zu können, ist für die gesamte Jury ein tolles Gefühl. Schauen Sie sich die Liste der Preisträger von 1989 bis heute an: Von Katja Riemann, Barbara Auer oder Matthias Schweighöfer bis Edin Hasanovic – die GOLDENE KAMERA traf immer ins Schwarze und zeichnete die Besten ihres Fachs aus. Mit diesem Preis Teil eines solchen Weges zu sein, ist der schönste Beweis dafür, dass Auszeichnungen wirklich etwas bewirken können.

 

Christiane Flatken, stellvertretende Chefredakteurin der FUNKE Programmzeitschriften und Mitglied der GOLDENEN KAMERA-Jury. Foto: FMG

Frau Flatken, insgesamt 14 GOLDENE KAMERAS werden am 30. März 2019 in Berlin vergeben. Bei einer GOLDENEN KAMERA liegt es am Abend der Verleihung allein in den Händen der Zuschauerinnen und Zuschauer, in wessen Besitz sie übergeht. Wer legt zuvor nach welchen Kriterien fest, worüber die Publikumswahl entscheidet?

Die Mantelredaktion der FUNKE Programmzeitschriften, die das Kompetenzzentrum Entertainment bildet, betrachtet das ausklingende TV-Jahr und sondiert nach großen Themen. Gibt es neue Trends bei Shows, Serien, Filmen oder einem anderen Genre, das die Zuschauer besonders bewegte? Ob etwa Satire-Shows wie die „heute-show“ im Dauertrend sind oder Dokutainment-Formate wie „Bares für Rares“ eine neue Leidenschaft für Trödel entfachen: Für die Publikumswahl suchen wir Sujets aus, die einen hohen Beliebtheitswert haben. Mit einer Reihe von TV-Formaten oder auch TV-Persönlichkeiten, die zum Fach passen, geht es dann in die GOLDENE KAMERA-Redaktionsrunde, die das Thema endgültig festlegt.

In diesem Jahr entscheidet die Publikumswahl darüber, welches die „Beliebteste Heimat-Serie“ im deutschen Fernsehen ist. Wieso hat man sich dafür entschieden?

Heimat-Serien liegen voll im Trend. „Der Bergdoktor“ & Co. können sich über wachsende Zuschauerzahlen und große Marktanteile freuen. Das hängt sicher auch mit einem wachsenden Interesse an regionaler Identität, einem Wunsch nach Heimatgefühl und Naturverbundenheit zusammen.

Wächst das Genre „Heimat-Serie“?

Es sieht ganz danach aus, die Zahl dieser TV-Formate hat in den letzten Jahren stetig zugelegt. Die Einschaltquoten steigen, auch bei lang etablierten Serien. Nur nachvollziehbar, dass die Sender dies aufgreifen und 2018 neue Stoffe auf den Weg gebracht haben. In der ARD wurde unter anderem mit „Weingut Wader“ die Geschichte einer Winzerfamilie in der Pfalz ins Rennen geschickt, das ZDF ist 2018 mit dem „Team Alpin“ gestartet.

„Lena Lorenz“, „Die Bergretter“, „Der Bergdoktor“, „Großstadtrevier“, „Um Himmels Willen“, „Der Ranger“, „Nord bei Nordwest“, „Friesland“, „Die Eifelpraxis“, „Neues aus Büttenwarder“, „Team Alpin“, „Weingut Wader“, „Die Rosenheim-Cops“, „Notruf Hafenkante“ und „Der Usedom-Krimi“ – die Zuschauer und Leser beziehungsweise User der FUNKE-Tageszeitungen, -Programmzeitschriften und -Online-Portale sowie der offiziellen Homepage der GOLDENEN KAMERA hatten bis zum 1. März die Qual der Wahl zwischen 15 Favoriten. Die vier Serien, die am Ende die meisten Stimmen für sich gewinnen konnten, werden am Abend Verleihung erneut den Zuschauern zur Wahl gestellt. Was zeichnet eine „Heimat-Serie“ und damit die 15 Favoriten aus?

Alle Favoriten eint, dass neben den Darstellern auch der Ort, die Landschaft, die regionalen Gegebenheiten oder die Natur eine tragende Rolle spielen. Dazu kommt die jeweilige Mundart: der berühmte Hamburger Schnack oder der bayerische Dialekt, die den Filmen und Serien noch mehr Lokalkolorit geben. Schließlich noch charismatische, bodenständige Hauptfiguren, die mit Familie, Kollegen, der Dorfgemeinschaft spannende Alltagsgeschichten durchleben – das spricht viele Menschen an und macht die Formate so zugänglich.

Wie war die Beteiligung der Zuschauer und Leser bzw. User an der Vorrunde zur Publikumswahl?

Mit über 120.000 Stimmen war die Beteiligung so hoch wie noch nie. Der beste Beweis dafür, wie beliebt diese Fernsehstoffe, die nicht unbedingt im Fokus des Feuilletons liegen, wirklich sind.

Der Gewinner der Publikumswahl wird live per Telefonvoting in der Show ermittelt. Auch für Sie ein spannender Moment?

Allein als Kandidat die Vorrunde geschafft zu haben und zu den nominierten Serien zu gehören ist schon ein tolles Kompliment der Fans an ihre Lieblingsserie. Wenn dann aber während der Verleihung die Zuschauergunst endlich über den Sieger entscheidet, ist das ein unglaublich spannender Moment – und für den Gewinner sicher unvergesslich.

Text: Daniela Schaefer

Weitere Informationen zur GOLDENEN KAMERA finden Sie auch unter goldenekamera.de.
Die GOLDENE KAMERA jederzeit im Netz:
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www.instagram.com/goldenekamera

1 Kommentar

  1. Schön und wichtig, dass das thema klimaschutz einen so gewichtigen platz in der goldenen kamera gefunden hat. Inkonsequent nur, daß es für den nachwuchspreis ein auto mit vrbrennungsmotor gab. Es wäre nur folgerichtig gewesen, wenn ein eAuto überreicht worden wäre. So leidet die Glaubwürdigkeit etwas.

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