Vor genau zehn Jahren kam die erste Ausgabe der „LandIDEE“ heraus – seitdem hat sich die Zeitschrift auf dem Markt als feste Größe etabliert und wächst weiter. Neben der Auflage ist aber auch die Markenfamilie stetig gewachsen. Im Interview erklärt Katrin Tempel, V.i.S.d.P. und Chefredaktion „LandIDEE“, was die Marke besonders macht und wie erfolgreiche Markenführung gelingen kann.

Katrin Tempel, V.i.S.d.P. und Chefredaktion „LandIDEE“. Foto: FMG

Im Juni ist nun die Jubiläumsausgabe erschienen, daher zuerst einmal: Herzlichen Glückwunsch! Wie entstand damals die Idee für die Zeitschrift „LandIDEE“?

Das war damals ja noch ein Joint Venture von Gera Nova Bruckmann und der WAZ – und die Zeitschrift wurde entwickelt von dem Redaktionsbüro Blattgold, dass ich gemeinsam mit Sandra Schönbein geleitet habe. Ich denke, wir haben damals gesehen, dass mit dem beginnenden Erfolg von „LandLust“ ein völlig neues Marktsegment eröffnet wurde. Und dem haben wir mit LandIDEE eine ganz eigene Interpretation gegeben.

Wie würden Sie den Markenkern beschreiben – und hat er sich im Laufe der zehn Jahre verändert?

Der Markenkern hat sich nicht verändert: Wir bilden das natürliche, nachhaltige Leben auf dem Land ab. Zeigen kreative Ideen zu den Themen Küche, Deko, Apotheke und Garten, die jeder bei sich zu Hause nachvollziehen kann. Was wir im Lauf der Zeit gestärkt haben, sind immer mehr die Eigenproduktionen: Wir besuchen die handelnden Personen auf dem Land, produzieren mit den Kreativen aus der Redaktion und unseren Floristen die Deko-Ideen, suchen uns Expertinnen für natürliche Gesundheit und lassen uns zeigen, wie man all diese Ideen umsetzen kann. Was sich geändert hat? Am auffallendsten ist sicher das Kind auf dem Titel, das wir nach vier Jahren verabschiedet haben. Aber wir haben auch die Handwerksreportagen der ersten Jahre eingestellt. Irgendwann war jeder Webstuhl und jede Knopfmacherin gezeigt – und dann muss man auch den Mut haben, sich von einem Thema zu verabschieden.

Kreative Deko-Idee werden von der Redaktion ebenso ausprobiert wie die beliebten Rezepte und selbstgemachten Produkte.

Aus der originären „LandIDEE“ gingen viele Ableger hervor, sogenannte Line Extension. Wie passen diese in das Gesamtkonzept?

Das Interesse an den einzelnen Ressorts war  und ist so groß, dass daraus eigene Hefte entstanden sind, die mit ihrer Spezialisierung und ihrem Fachwissen  auf den Allrounder LandIDEE einzahlen – und zwar sowohl in Sachen Kompetenz als auch in der allgemeinen Bekanntheit.

Wie schaffen Sie es, die Leser an die Zeitschrift und vor allem die Marke zu binden?

Wir machen immer wieder deutlich „Wir sind das Heft mit den Ideen!“ Und das gilt in Titelgestaltung ebenso wie in Ideen für Küche, Deko, Garten… Die Vorstellung ist immer, dass die Leser unser Heft durchblättern und sich immer wieder sagen „Das könnte ich doch machen…“. Es geht nicht darum, ob die Ideen wirklich umgesetzt werden – sondern, ob sich Leser vorstellen könnten, die Ideen umzusetzen. Das Heft aufheben, weil „das mache ich bestimmt mal!“

Wie nutzt „LandIDEE“ die Möglichkeiten der digitalen Welt?

Wir haben eine Facebookseite mit mehr als 80.000 Likes über die wir viele unserer „LandIDEE“-LeserInnen erreichen.

Redaktionelle Themen werden fast ausschließlich selbstproduziert. Wie sucht und findet die Redaktion Themen, die die Leserinnen und Leser ansprechen?

Auch das Suchen nach Ideen und Themen geschieht bei „LandIDEE“ gemeinsam. Foto: FMG

Wir hören den Lesern zu. Sie schreiben Briefe, geben Feedback, schlagen selber Themen vor. Die Redakteure sind viel auf dem Land unterwegs, ihnen fällt es auf, wenn plötzlich Linsen oder Soja angebaut werden. Sie gehen auf Treffen und Vorträge der Landfrauen und sehen, welche Themen da plötzlich in den Focus rutschen. Die meisten Redakteure leben nicht in der Stadt – sondern da, wo unsere Themen herstammen und wo sie relevant sind: Auf dem Land. Für uns ist der Buchsbaumzünsler und die Traubenessigfliege keine abstrakte Bedrohung – sondern der Grund, warum wir im Garten Sträucher abhacken und das Obst auf den Kompost werfen.

Der Claim von LandIDEE lautet „Land erleben und genießen“ – wie schafft es die Redaktion, dieses Lebensgefühl in die Ausgaben zu transportieren?

Es geht um eine entschleunigte, realistische und achtsame Umgehensweise mit unserer Umgebung. Das hat die Redaktion verinnerlicht – und diskutiert immer wieder intensiv, wie wir die Welt mit der Brille unserer Leser aussieht. Wenn man begreift, dass ihnen der Anblick einer Blume wichtiger ist als der Blick in den Spiegel – dann hat man da schon viel verstanden.

Foto: FMG / Birgid Allig

Ein Aushängeschild von „LandIDEE“ und ihren Line Extension ist, dass sie sehr hochwertig produziert sind: Papier, Bilder, Gestaltung und viele Extras, wie Rezept-Booklets. Warum haben Sie gerade diese Form für die Zeitschrift gewählt, wie passt das zur Marke?

Wir machen keine Wegwerfprodukte. Der achtsame Umgang mit Natur und Ressourcen sollte auch dafür sorgen, dass man unsere Zeitschrift immer wieder nutzt. Und aufhebt. Und sich an ihr freut. Das geht leichter, wenn die Qualität höher ist.

Was können andere Zeitschriften von „LandIDEE“ lernen?

Die Liebe zur Zielgruppe und den Themen. Ich denke, dass dieses Grundgefühl in einer Zeitschrift transportiert wird. Zynismus und Hochmut haben da nichts verloren. Nicht einmal – und vor allem nicht – hinter den geschlossenen Türen der Redaktion.

Text: Martin Körner

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