Fotochefin Erika Junge (rechts) und ihre Stellvertreterin Claudia Sonntag. Foto: Andreas Wemheuer

Was wäre eine Zeitschrift ohne Fotos? Wohl nur halb so informativ. Nur halb so unterhaltsam. Nur halb so serviceorientiert. Und genau deshalb gibt es sie – die Fotoredaktion der FUNKE Programmzeitschriften. Sie sorgt dafür, dass neben den vielen Textspalten auch jede Menge Bilder die Inhalte der Titel HÖRZU, HÖRZU WISSEN, TV DIGITAL, TVdirekt, Gong, BILD+FUNK und nurTV+ unterstreichen. Wie vielfältig die Aufgaben der Fotoredaktion sind, worin sich die einzelnen Programmtitel in ihren optischen Anforderungen unterscheiden und für welche großen Ereignisse es jährlich zu einem nächtlichen Einsatz der Fotoredaktion kommt, darüber berichten Fotochefin Erika Junge und ihre Stellvertreterin Claudia Sonntag in einem Interview.

Liebe Frau Junge, liebe Frau Sonntag, ein Bild sagt mehr als tausend Worte, so sagt man. Ist daran etwas Wahres?

Claudia Sonntag: Ja, Bilder sagen oft mehr, als jemand wortreich beschreiben könnte. Eine Situation, der Eindruck eines Moments, Gesichtsausdrücke: Das alles lässt sich oft nicht so exakt in Worte fassen, wie es die Abbildung dessen transportieren kann.

Erika Junge: Vor allem geht der Informationstransfer bei einem Bild bedeutend schneller. Beim ersten Betrachten können wir sofort erfassen, welche Stimmung vorherrscht, ob Spannung in der Luft liegt, in welcher Beziehung Abgebildete zueinander stehen. Ein Bild erzählt im Bruchteil einer Sekunde seine Geschichte – und setzt auch sofort seine Wirkung frei. Lesen dauert entschieden länger.

Welche Funktion haben Bilder in einer Zeitschrift? Erzählen sie einen Teil der Geschichte mit? Sind sie eine weitere Informationsquelle?

Claudia Sonntag: Im besten Fall ziehen Bilder den Leser erst einmal in die Geschichte hinein, weil sie neugierig machen auf das Thema. Ob ein spektakuläres Luftbild eine ganz neue Seite von Mallorca aufscheinen lässt oder ein bewegendes Naturfoto eine Tierart in ihrer Umgebung zeigt, wie man es so noch nicht gesehen hat – der erste Eindruck sollte anziehend wirken und dazu animieren, in den Text hineinzulesen.

Erika Junge: Natürlich ist es wünschenswert, dass das Foto auch informativ ist und eine Geschichte inhaltlich stützt. Unterscheiden muss man hier sicher zwischen Stockfotos, die ein Thema symbolisch aufgreifen oder sogar überhöht darstellen, und reportageartigen Bildern, die zur Dokumentation eines bestimmten Sachverhalts eigens angefertigt wurden oder beispielhaft echte Verhältnisse wiedergeben.

Was umfasst die Arbeit der Fotoredaktion der FUNKE Programmzeitschriften?

Erika Junge: Bei den Programmzeitschriften kommen ganz unterschiedliche Anforderungen zum Tragen. Einerseits geht es naturgemäß um Film und Fernsehen, das heißt High-End-Fotoshootings von Schauspielern, Moderatoren, Fernsehprominenz, Aufnahmen von spannenden Dreharbeiten oder zu exklusiven Hintergrundberichten. Genauso braucht es aber auch Eyecatcher, etwa für ein Foto der Woche, eine spektakuläre Reportage über Riesenhöhlen in Vietnam oder die Unterwasserwelt der Antarktis. Dazu ist es erforderlich, den internationalen Bilder- und Zeitschriftenmarkt im Blick zu behalten und weltweit nach den besten Bildern zu suchen, denn diese flattern nicht ohne Weiteres ins Haus.

Wonach suchen Sie die Bilder für die Programmzeitschriften aus?

Claudia Sonntag: Wir suchen grundsätzlich nach besonders hochwertigem, einzigartigem Bildmaterial, sowohl für die Cover wie auch für die Bildstrecken im Innenteil, die wir in HÖRZU WISSEN noch opulenter ausrollen können. Das ist für den Leser das besondere Printerlebnis, etwas, das uns auch in der sich verändernden Medienwelt immer noch hervorhebt.

Erika Junge: Das bedeutet aber auch, dass die Fotos inhaltlich und optisch von sehr hoher Qualität sein müssen. Dies ist bei Recherche und Auswahl extrem wichtig. Für serviceorientierte Themen, für die meist Symbolfotos oder Illustrationen zum Einsatz kommen, braucht es vor allem eine moderne Bildsprache. Hier spielt schon eine Rolle, welche Kleidung Models tragen oder in welchem Ambiente sie dargestellt sind. Lässt sich ein abstrakteres Thema nicht durch Fotos näherbringen, bieten Illustrationen viele Möglichkeiten. Ob Foto oder Illu ‒ wird das richtige Motiv nicht gefunden, kann ein Fotoshooting oder eine Auftragsillustration nötig sein. Beides wird jeweils von der Fotoredaktion betreut.

Inwiefern haben die unterschiedlichen Programmzeitschriften der FUNKE MEDIENGRUPPE auch unterschiedliche Anforderungen an das Bildmaterial?

Claudia Sonntag: Bei den 14-tägigen Programmzeitschriften steht eine sehr film- und serienorientierte Leserschaft im Fokus, die sich mit neuesten Produktionen aus TV, Kino und Streaming sehr gut auskennt, Interesse an den Stars hat, technikaffin ist und Berichte und Einordnung für diese Bereiche sucht.

Erika Junge: Bei den wöchentlichen Titeln spielen die fiktionalen Stoffe im linearen TV eine große Rolle, genauso aber auch Wissensthemen, Reportagen, Aktuelles, Gesundheit und Reise. Alles in allem also eine sehr große Bandbreite an Themen, die für unsere Hefte in Frage kommen. Aber für beide Lesergruppen gilt: Eine spektakuläre, beeindruckende Optik ist wichtig.

Wie eng arbeiten Sie mit den schreibenden Redakteuren, Chefreportern und Grafikern Ihrer Redaktion zusammen?

Claudia Sonntag: Die Bereiche gehen bei uns Hand in Hand, da ein gelungenes und fein abgestimmtes Zusammenspiel von Foto, Layout und Text den Gesamteindruck bestimmt und den Qualitätsanspruch unserer Hefte ausmacht. Um den Markenkern eines Hefts immer im Blick zu behalten, ist es uns wichtig, dass möglichst alle Gewerke bei der finalen Abnahme durch die Chefredaktion dabei sind.

Das Erste, worauf der Blick fällt, ist das Cover einer Zeitschrift. Welche Anforderungen bestehen speziell an das Titelbild?

Erika Junge: Ein Titelfoto muss noch viel stärker als ein Foto im Innenteil sofort überzeugen und am Kiosk den potenziellen Leser neugierig machen, ihn möglichst zum In-die-Hand-Nehmen animieren. Dafür braucht es eine sehr hohe Qualität des Motivs – vom ästhetischen Standpunkt her und in der technischen Umsetzung. Ein Beispiel dafür ist unser HÖRZU-Titel von Ausgabe 30, eine Auftragsillustration von C.J.Burton.

Worin unterscheiden sich die Cover der FUNKE Programmzeitschriften?

Claudia Sonntag: Bei den 14-tägigen und 4-wöchentlichen Heften sind es vor allem weibliche Film- und Fernsehschaffende mit gewinnendem Äußeren. Bei TV DIGITAL darf es auch mal ein männlicher US-Topstar oder eine Comicfigur sein. Außerdem hat jedes Heft zusätzlich seinen speziellen Look: Die Farbe des Hintergrunds ist in der Regel unique und hat Signalwirkung für den Leser.

Erika Junge: Bei den Wöchentlichen ist thematisch deutlich mehr möglich: von populären Rechtsirrtümern über Fleischskandale, einem Fernsehmoderator wie Kai Pflaume bis hin zu  den Herbst-Highlights im TV kann hier alles Titelthema sein. Das macht die Arbeit daran sehr vielseitig und spannend, da es hier auch um den kreativen Input geht, den die Fotoredaktion geben muss: Sollte ein neuer Illustrator das Thema umsetzen? Bekommt man das außergewöhnliche Foto einer Frau mit Hund aus einem internationalen Magazin, für das Modelrechte und Fotorechte geklärt werden müssen? Oder steht ein Titelshooting mit Kai Pflaume an? Jede Woche aufs Neue Titelideen für diese so unterschiedlichen Magazine zu entwickeln und diese dann auch umzusetzen macht für uns den besonderen Reiz aus.

Inwiefern ist es bei Ihnen ein anderes Arbeiten als in der Fotoredaktion einer Tageszeitung?

Erika Junge: Die Kollegen der Tageszeitungen sind naturgemäß eher an der aktuellen Nachrichtenlage orientiert und müssen ein riesiges Angebot an nachrichtlichen Bildern, die fortwährend einströmen, sondieren, wenn nicht eigene Fotografen regional oder überregional im Einsatz sind. Bei uns entwickelt sich das Themenspektrum seltener aus der aktuellen Lage und erfordert daher eine andere Form der Recherche. Wie kann ich ein Thema möglichst interessant bebildern? Wo bekomme ich solche Motive? Welche Agenturen oder Fotografen kann ich noch ansprechen? Wir wählen nicht das perfekte Foto aus der Bilderflut vom gestrigen Gipfeltreffen, sondern entwickeln optische Ideen und versuchen, in unseren Heften jeweils eigene Akzente zu setzen.

Einmal im Jahr hat die Fotoredaktion einen ganz besonderen Einsatz: Am Abend der Verleihung der GOLDENEN KAMERA ist ein Team aus der Fotoredaktion vor Ort und verantwortet eine riesige Menge an Fotomaterial, das für unterschiedliche Adressaten intern wie extern bereitgestellt wird. Ist es ein anderes Arbeiten, vielleicht auch ein anderer Zeitdruck an solch einem Abend?

Erika Junge: Auf jeden Fall! Nach intensiven Vorbereitungen gipfelt unsere Arbeit in diesem besonderen Abend, an dem in kürzester Zeit viele unterschiedliche Fotoanforderungen erfüllt werden müssen, die aktuell auch mit dem YouTube GOLDENE KAMERA Digital Award auf uns zukommen. Die Vorbereitungen sind so umfangreich, weil es zwar immer um die GOLDENE KAMERA geht, aber vieles auch von Jahr zu Jahr neu ist: Wo findet die Verleihung statt? Welche Möglichkeiten bietet die Location für Fotos? Wie können die Fotografen, die an diesem Abend für uns im Einsatz sind und deren Aufgaben sehr individuell definiert sein müssen, diese optimal erfüllen? Sind die technischen Voraussetzungen für Datenübertragung, Zugangsberechtigungen et cetera erfüllt? Wo kann ein mobiles Fotostudio für die Preisträger à la minute aufgebaut werden? Was muss für die Pressearbeit beachtet werden? Wie lassen sich zeitnah Fotowünsche für FUNKE-Medien, für Presseserver, für die Ballzeitung und dergleichen erfüllen?

Claudia Sonntag: Das alles bedeutet akribische Vorarbeit, da die ganze Nacht hindurch unglaubliche Datenmengen gesichtet, bewertet, zugeordnet und verschlagwortet werden müssen. Gleichzeitig können sich kurzfristig noch Abläufe ändern. Da hilft es, wenn vor Ort ein eingespieltes Team im Einsatz ist. Also tatsächlich ein sehr spannender Abend – nicht nur für die Preisträger!

Interview: Daniela Schaefer

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