Das Interaktivteam der FUNKE MEDIENGRUPPE: André Pätzold, David Wendler, Marie-Louise Timcke, Moritz Klack und Christopher Möller (v. l.). Foto: FMG

Sind Daten wichtig für den Journalismus? Ja, denn Daten sind viel mehr, als nur Zahlen oder Fakten, weiß Marie-Louise Timcke, Leiterin des FUNKE-Interaktivteams. Sie und ihr Team ordnen riesige Mengen von unterschiedlichsten Daten und bereiten sie so auf, dass komplexe Zusammenhänge in interaktiven Infografiken ganze Geschichten erzählen. Datenjournalismus ist also eine Form des Journalismus, durch die Nachrichten zu Erlebnissen werden. Im Interview erklärt Marie-Louise Timcke, wie das FUNKE-Interaktivteam Daten nutzt und wie sie Ideen für neue Projekte entwickeln und umsetzen.

Du leitest das Interaktiv-Team von FUNKE, wie geht das zusammen: Daten und Journalismus?

Das geht super zusammen, und das nicht erst seit heute. Daten sind eine ganz normale Informationsquelle, die Journalisten schon immer benutzt haben. Heute haben wir schlicht viel mehr davon, angefangen bei Statistiken der Bundesämter bis hin zu Datenbanken sozialer Netzwerke. Datenjournalisten haben sich darauf spezialisiert, diese Datenmengen zu ordnen und Geschichten mit ihnen zu erzählen. Dafür brauchen wir spezielle Werkzeuge, beispielsweise müssen wir uns mit statistischen Methoden auskennen und arbeiten mit Programmierern und Designern zusammen, um unsere Geschichten im Web zu erzählen.

Interaktive Infografik „Es war nicht immer der Osten – Wo Deutschland rechts wählt“

Wie kommt ihr auf die Ideen, Daten in interaktiven Darstellungen wiederzugeben. Und was ist der Mehrwert für den Nutzer?

Mithilfe von aufbereiteten und neu verknüpften Daten kann man sehen, wie lange man für das Gehalt der anderen arbeiten müsste.

“Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte”: Gut gemachte Infografiken können einen komplexen Zusammenhang sehr übersichtlich und verständlich machen. Online können wir dem noch eine zusätzliche Ebene hinzufügen, die Interaktivität. Mit interaktiven Infografiken können Nutzer ihre  eigene Geschichte in den Daten finden, indem sie neben dem Überblick auch Informationen zu ihrer eigenen Nachbarschaft oder ihr eigenes Gehalt eingeben können. Interaktivität gibt uns außerdem die Möglichkeit, eine Nachricht in ein Erlebnis zu wandeln. In unserem Projekt zur neuen Berliner Skyline können Nutzer die Stadtplanung als 3D-Modell entdecken.

Wenn ihr vor diesen riesigen Datenmengen steht, wie geht ihr vor, um diese sinnvoll in ein Projekt umzusetzen?

Wir sehen uns die Daten gemeinsam an und überlegen, was uns an dem Thema am meisten interessiert. Dann machen wir erste Analysen, recherchieren und besprechen anschließend, welche Geschichte wir erzählen wollen. Im Zentrum unserer Projekte steht meistens eine interaktive Visualisierung. Je nachdem, was für Daten wir haben und was wir zeigen wollen, entscheiden wir uns für die passende Visualisierungsform, entwerfen ein Layout und gehen in enger Teamarbeit in die Umsetzung.

Wie erarbeitet und entwickelt ihr die Ideen und Konzepte?

Wir sind ein interdisziplinäres Team aus Journalisten, Programmierern und Designern. All diese verschiedenen Disziplinen fließen in die Entwicklung unserer Ideen und Konzepte ein. Der Anstoß kann von außen kommen, von Kollegen aus der Redaktion oder gebunden an einen Termin wie beispielsweise Wahlen. Häufig kommen die Ideen aus dem Team selbst, weil wir auf einen Datensatz gestoßen sind oder uns ein Thema derzeit beschäftigt.

Auch ein interaktiver Rundflug über Berlin ist möglich.

Woher stammen die Daten und wer wertet sie aus?

Die Daten können aus ganz verschiedenen Quellen stammen. Meistens benutzen wir Daten von Bundes- oder Landesämtern, aber auch von Forschungsinstituten oder Diensten wie beispielsweise dem deutschen Wetterdienst. Die Auswertung machen die beiden Journalisten des Teams. Häufig arbeiten wir dabei mit einer statistischen Programmiersprache, die extra für Datenanalysen entwickelt wurde.

Überregionales Projekt: Die Verbreitung des Wolfs in ganz Deutschland auf einen Blick.

Als FUNKE-Interaktiv-Team arbeitet ihr an Projekten für alle FUNKE-Zeitungen – wie kommen die einzelnen Projekte zustande? Werdet ihr angefragt oder bietet ihr eure interaktiven Konzepte an?

Beides. Die Funke-Titel können uns jederzeit mit Projektideen oder Datensätzen ansprechen. Haben wir eine Projektidee, dann überlegen wir uns, wie wir sie am besten für alle Titel ausspielen. Es gibt überregionale Projekte, die wir einfach an alle Zeitungen übergeben

Regionalisierte Infografik für die Westfalenpost.

können, aber es gibt auch Anwendungen, die wir regionalisieren oder sogar exklusiv für einen einzigen Standort produzieren.

Wie wichtig Datenjournalismus ist und beeindruckend er sein kann, kann man auch an den nationalen und internationalen Preisen sehen, mit denen eure Projekte bereits ausgezeichnet wurden. Was war für euch bisher euer größter Erfolg?

Jede Auszeichnung zeigt uns, dass unsere Arbeit wertgeschätzt wird. Für das Team ist das natürlich ein großartiges und motivierendes Feedback. So etwas wie den Nannen-Preis, den internationalen Data Journalism Award oder den Grimme Online Award in Händen zu halten, ist eine große Ehre. Für die Titel der Gruppe bringen Preise Anerkennung in der Branche – national aber auch international. Beispielsweise ist das „Interaktiv-Team der Berliner Morgenpost“ bereits vielen US-amerikanischen Journalisten ein Begriff. Das größte Lob ist aber das Feedback von Lesern. Wenn sich Leser die Mühe machen, uns persönlich zu schreiben, um uns für unsere gute Arbeit zu danken, ist das die größte Auszeichnung.

Interview: Martin Körner

Das gesamte Portfolio des FUNKE-Interaktivteams: https://interaktiv.waz.de/portfolio/
Das FUNKE-Interaktivteam auf Twitter: https://twitter.com/funkeinteraktiv

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