Dr. Ruth Betz ist seit Mitte Oktober 2018 als Leiterin Digitale Transformation bei FUNKE. Gut zwei Monate nach ihrem Start haben wir mit ihr gesprochen um herauszufinden, was eine Leiterin Digitale Transformation genau macht, wie sie an das wichtige und gleichzeitig sehr komplexe Thema herangeht, was sie gegen Denkblockaden macht und warum sie FUNKE als Wundertüte betrachtet.

Ruth, wie digital bist du?

Was meinen Job und professionelles Arbeiten betrifft, bin ich absolut digital. Digitalisierung kann sehr hilfreich sein, wenn es um Prozesse, Abläufe oder Strukturen geht. Bei Projekten und innerhalb von Projektgruppen können wir dadurch Entscheidungen beschleunigen und vereinfachen. Privat bin ich gerne auch mal halb-digital. Da lese ich meine Tageszeitung und Bücher immer noch am liebsten in Print. Als Hamburgerin lese ich morgens das Hamburger Abendblatt, was ja auch zu FUNKE gehört.

Du hast bereits bei Google, Bertelsmann, Airbnb, mgm und der Bauer Publishing Group gearbeitet – warum jetzt ausgerechnet FUNKE?

Funke ist in seiner DNA ein Medienkonzern mit einem hochwertigen journalistischen Angebot. Es gibt hier also im Haus Produkte, die ein Alleinstellungsmerkmal haben, die teilweise schon über Jahrezehnte erfolgreich gewachsen sind. Diese Produkte zusammen mit Redakteuren, Vertrieb, Technik, Produktmanagement, Vermarktung und Business Development einer größeren Zielgruppe zugänglich zu machen und einer digitalisierten Arbeitswelt anzupassen, ist für mich eine spannende Herausforderung

Du sagst: „FUNKE ist eine echte Wundertüte“ … Das musst Du bitte erklären.

Eine Wundertüte ist für mich etwas, bei dem ich immer mehr Schätze entdecke, je tiefer ich reingehe. Marken, Produkte, Bereiche, Menschen – da ist so viel Potential. Auch wenn ich erst kurz dabei bin, merke ich: Je mehr ich hier kennenlerne, desto interessanter wird es.

Was macht man eigentlich als Leiterin Digitale Transformation?

FUNKE investiert aus Überzeugung in digitale Aktivitäten im Newsbereich und wird eine wirkungsvolle digitale Transformation der Zeitungstitel vollziehen. Zentrale Punkte sind hierbei der Ausbau digitaler Abo-Modelle für die Portale aller Zeitungsmarken und eine konsequente Orientierung der Publikationsprozesse der Redaktionen an den Interessen der Leser. Das Prinzip, was wir verfolgen, nennen wir „User first“.

Bei „User First“ haben wir viele Themen mit Abstimmungsbedarf und arbeiten daher stark vernetzt miteinander. Das Networking funktioniert zusehends besser. Ich selbst arbeite aber sehr analytisch und versuche zu erkennen, was genau an welcher Stelle noch gemacht werden muss, damit wir effektiver werden und die Potentiale der Digitalisierung nutzen. Das gilt für interne Abläufe genauso, wie für die Produkte. Mein Berliner Kollege Carsten Erdmann, der mit mir die digitale Transformation leitet, hat ein unfassbar wertvolles Wissen über Redaktionsabläufe und ein stark zukunftsorientiertes Denken, was den der Newsroom der Zukunft angeht. Er wird dabei äußerst engagiert durch Anne Liedtke im Change Management unterstützt. Wir diskutieren mit unseren unterschiedlichen Blickwinkeln die notwendigen Änderungen, finden Kompromisse, entwickeln neue Ansätze für die digitale Transformation. Über unsere „Berlin-Hamburg-Telefon-Standleitung“ entwickeln wir die „tausend“ Schritte, die zu einer erfolgreichen Strategie führen.

Diese Strategie stimmen wir dann mit den Kollegen bei Funke Digital, im Vertrieb, bei der Vermarktung und natürlich in der Redaktion ab, lassen uns auch gerne mal überstimmen, freuen uns über Fortschritte und kommunizieren die Ergebnisse.

Dr. Ruth Betz, Leiterin Digitale Transformation bei FUNKE. Foto: FMG

Wie gehst du genau vor, wenn du daran arbeitest?

Ich versuche, die bestmöglichen Lösungen zu finden, die anschließend auch optimal funktionieren. Bei einem Problem frage ich mich immer und immer wieder: „Wo kommt es her und was ist der Hintergrund?“. Ich liebe es im Team zu arbeiten. Um Dinge zu beschleunigen konzipiere ich auch gerne den ersten Entwurf selber, den ich dann zügig und mit der ausdrücklichen Bitte um Feedback und Verbesserungsvorschläge an alle Beteiligten gebe. Dann werden wir im Team kreativ und finden eine Lösung.

Was tust du, wenn du bei einem Projekt einmal nicht weiter kommst?

Das klingt vielleicht ein bisschen komisch, aber ich singe dann gerne. Nicht unbedingt gleich im Büro natürlich, aber wenn ich kreativ werden will, hilft es mir sehr, wenn ich den Kopf abschalten kann. Und das funktioniert bei mir mit Singen meist ziemlich gut. Man kann in solchen Situationen wieder eine gewisse Klarheit über das eigentliche Problem bekommen. Nach dem Singen, bei dem ich mich komplett auf Noten und Harmonien konzentrieren, fällt mir häufig spontan die Lösung für ein Problem bei der Arbeit ein, an dem ich vorher schon länger gekaut habe.

Wenn man sich in kreative Situationen begibt, entstehen oft neue Blickwinkel und man kommt wieder ein Stück weiter. Das geht natürlich auch in einem Team, mit dem man kreativ und quer denkt.

Über das Thema Digitalisierung sagst du: „Man muss nicht zwingend Informatik studiert haben – es ist hilfreich, aber nicht notwendig. Wichtiger ist gesunder Menschenverstand. Man muss verstehen, wer an welcher Stelle was macht.“ Hast du ein Beispiel dafür?

Ein Bespiel hierfür ist das Bedürfnis, Daten-informiert zu arbeiten. Wir haben zum Beispiel festgestellt, dass nicht nur Analysten und IT-Spezialisten, sondern auch Journalisten, Vermarkter, Standort-Manager oder Produkt-Manager von aussagekräftigen Daten, sogenannten „actionable Insights“ profitieren.

Konkret haben wir daher die „Data Insights“-Meetings ins Leben gerufen und alle, die davon profitieren könnten, an Board geholt. Bei dieser bereichsübergreifenden Terminserie sind Kollegen aus Audience Development, Redaktion, Vertrieb, Produktmanagement dabei, jeder liefert, aber bekommt auch gleichzeitig, was er oder sie benötigt. Dadurch sind wir extrem effektiv und wir arbeiten gezielter, besser und schneller.

Innerhalb von drei Jahren willst du mit unseren journalistischen Marken ein relevantes Digitalgeschäft aufbauen. Was ist dein erstes Projekt?

Wir haben mehrere Projekte parallel gestartet. Wir haben zum Beispiel die Arbeitsabläufe in Hamburg und Nordrhein-Westfalen analysiert, diskutiert und Lösungen erarbeitet. Alle relevanten Bereiche waren eingebunden haben das richtige Vorgehen in dafür speziell konzipierten Workshops gemeinsam entwickelt. So konnten wir zusammen die beste Umsetzung des „User First“-Wokflow entwickeln.

Das Hamburger Abendblatt ist bei FUNKE der Prototyp für den digitalen Wandel., WAZ, NRZ und WP nutzen die Erkenntnisse, die wir in Hamburg gewonnen haben, und entwickeln eine zu ihren Marken passende User First Strategie.

Wir sehen bereits jetzt große Erfolge in Hamburg – so hat sich beispielsweise die Zahl der monatlichen Neu-Abos von Abendblatt+ innerhalb von zwei Monaten verdoppelt. Durch eine radikale Vereinfachung des Bestellprozesses wurde außerdem die Conversionrate um 70% verbessert.

Die Teamarbeit und der interne und standort-übergreifende Wissens- und Erkenntnisaustausch hat hierbei großartig funktioniert. Wir sehen, dass das Umdenken in den Köpfen bereits jetzt stattfindet und dass viele Kollegen die digitale Transformation als zukunftsweisenden Weg mit viel Begeisterung vorantreiben.

Das Interview führte Martin Körner

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